„Wenn die Börse einstürzt, setzt das Gewissen aus.“

Noel du Fail (1520 – 1591), französischer Autor

Die Börse kennt zwei Marktphasen – den Bärenmarkt und den Bullenmarkt.

Der Bärenmarkt ist die schwierige Marktphase – die Kurse sinken dauerhaft.

Der Bullenmarkt ist die einfache Marktphase – die Kurse steigen dauerhaft.

Die grundsätzlichen Fragen zum Bärenmarkt habe ich in Umschalter verpackt, sodass Sie die Fragen, die Sie interessieren einfach anklicken und schnell durchlesen können.

Was ist ein Bärenmarkt?

Der Bärenmarkt auch Baisse genannt, steht an der Börse für dauerhaft sinkende Kurse.

Der Bär symbolisiert fallende Kurse, weil er beim Angriff mit der Pranke von oben nach unten schlägt.

Weitere Begriffe für einen Bärenmarkt sind: Bären und Bearish. Diese Begriffe können die Stimmung an der Börse mit folgenden Sätzen beschreiben:

  • Die Bären holen die Aktionäre ein.
  • Die Stimmung an der Börse ist bearish.
  • Die Bärenfalle hat zugeschlagen.
Wann spricht man von einem Bärenmarkt?

Fallen die Kurse an der Börse über eine längere Zeitperiode, so liegt ein Bärenmarkt vor.

Die Auslöser/Folgen für einen Bärenmarkt können sein:

  • Das Vertrauen der Anleger in den Aktienmarkt schwindet.
  • Es breitet sich Pessimismus aus. Aus (Buch)Gewinnen werden (Buch)Verluste.
  • Aktionäre nehmen Gewinne mit oder schichten ihre Positionen um.
  • Weltweit lahmende Konjunktur.
  • Hohe Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen.
  • Politische Unruhen bis hin zum Krieg.
  • Steigende Angst vor Terroranschlägen.
  • Zinserhöhungen.
Wie lange dauert ein Bärenmarkt?

Laut Wikipedia dauerten die zwei Marktphasen im S&P 500 Index von 1929 bis heute folgend an:

  • ein Bärenmarkt (Baisse) dauerte an der Wall Street im Durchschnitt knapp 16 Monate,
  • ein Bullenmarkt (Hausse) dauerte hingegen im Durchschnitt 54 Monate.

Mein Erfahrungsbericht

„Seit Jahren wächst mein Depot. Die Börse steigt und steigt. Etliche Postitionen befinden sich mehrere Prozentpunkte im Plus. Doch jetzt ist mir bange. Die Angst treibt mich. Die Kurse brechen plötzlich ein. Jeden Tag verliert mein Depot an Wert. Seit Tagen sehe ich zu, wie mein Depot dahinschmilzt. Mir zucken die Finger. Ich will verkaufen. Verkaufen, um wenigstens die Prozentpunkte mitzunehmen, die mir verblieben sind. Jetzt wo alles fällt, melden sich die Experten und sagen, dass alle Zeichen auf Verkaufen stehen. Zum Beispiel die Fibomocca-Linie, nach der ich SOFORT den Markt verlassen soll, bevor es richtig kracht. Ein anderer Experte warnt, dass nach der Feuilles-Linie das Verkaufen von allen Industrieländer-Positionen empfohlen wird.“

Jetzt atme ich erstmal tief durch

Ich lasse Begriffe wie „Fibomocca-Linie“ und „Feuilles-Linie“ auf mich wirken.

Was sagt mir mein gesunder Menschenverstand? Fibomocca-Linie und Feuilles-Linie: Irgendwie fast schon suspekt?

Wissen Sie: Ich habe diese Begriffe frei erfunden. Ich habe hier auf meinem Tisch einen Mocca-Kaffe stehen und einen 500er-Stapel Blatt Papier liegen, wo die französische Übersetzung „Feuilles“ für Blätter abgedruckt ist.

In der Finanzbranche wird sehr viel Blödsinn erzählt. Es steckt Nonsens dahinter.

Ich persönlich glaube, dass Anleger 90 Prozent des Schall & Rauch an der Börse ignorieren können, weil es nicht zielführend ist und nur vom Wesentlichen ablenkt.

Da rate ich mir doch glatt, wegen einer Fibomocca-Linie den Markt zu verlassen oder wegen einer Feuilles-Linie die Industrieländerwerte abzustoßen.

Und dann?

Was bitte mache ich dann?

Warten, bis ein anderer Börsenexperte behauptet, dass wegen der „Holzstix-Linie“ sich wieder der Einstieg lohnt?

Das ist grausam.

Dieses Fachchinesisch dient manchmal dem Versteckspiel.

Aus zwei Gründen:

  • Weil an der Börse sehr viel Geld mit Aktivität verdient wird. Je aktiver die Anleger, desto mehr Umsatz für die Börse.
  • Weil Börsengurus und Börsenpropheten mit Aufmerksamkeit Geld verdienen.

Im Endeffekt ist es ganz gleich, ob die Kurse steigen oder fallen

Jede Kursbewegung nährt fruchtbaren Boden für Krisen- als auch Euphorie-Propheten – einer von beiden hat immer Recht.

Für langfristig orientierte Anleger sind Hausse (Bullenmarkt) wie Baisse (Bärenmarkt) und ganz besonders „Fibomocca-Linie“, „Feuilles-Linie“ oder „Holzstix-Linie“ uninteressant.

Wen ich dem Aktienmarkt über Jahrzehnte hinweg treu bleibe – solange wie möglich investiert bin – und mich von Crash- als auch Euphorie-Propheten unbeeindruckt zeige, kann ich mit Wertpapieren im langfristigen Vergleich stattliche Renditen erzielen.

Eine Studie der Sutor Bank macht deutlich, wie wichtig es ist seiner Anlagestrategie treu zu bleiben. Wer hektisch aussteigt, halbiert Rendite.

An diesem Punkt entscheidet es sich, ob ich ein cleverer Langfristanleger bin

In diesem Moment, wenn mein Depot den Bach untergeht, entscheidet es sich, ob ich ein cleverer Langfristanleger bin.

Ob ich Ruhe bewahren und lediglich nachkaufen kann.

Oder ob ich mich von meiner Strategie abwende und anfange Börsengurus hinterherzulaufen.

Bloß also keine Panikverkäufe ohne einen triftigen Grund. Was interessiert es mich, ob mein Depot heute oder morgen enorm an Wert verliert?

An der Ausgangssituation hat sich nichts geändert. Und sind wir ehrlich, die meisten Anleger brauchen das Geld nicht jetzt, sondern erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten.

Deswegen verfolge ich eine einfache Strategie: Durchhalten. Nachkaufen. Diversifizieren. Kosten im Rahmen halten.

Die Kursschwankungen werden mit einer durchschnittlichen Rendite von acht bis zehn Prozent belohnt.

Ich sollte lediglich wissen:

  • Die Kurse steigen (Bullenmarkt).
  • Die Kurse sinken (Bärenmarkt).
  • Ab und an kracht es (Korrektur, Konsolidierung) – aber gewaltig (Krisen).
  • Unter Panik zu verkaufen ist ein katastrophaler Anlegerfehler.

Fazit

Auf einen dauerhaften Bullenmarkt folgt ein dauerhafter Bärenmarkt.

Auf einen dauerhaften Bärenmarkt folgt wiederum ein dauerhafter Bullenmarkt.

Klassische Bärenmärkte sind Korrektur, Konsolidierung und Krisen, die bisher alle von kurzfristiger Natur waren.

Langfristig über Jahrzehnte steigt die Börse. Die langfristige Rendite ist beachtlich.

Auf gar keinen Fall sollte ich:

  • In Panik geraten und verkaufen.
  • Von meiner Strategie abkommen.
  • Auf Börsengurus hören.
  • Den Verlustschmerz irgendwie mit Aktivität zu kompensieren. Das kann in einem Aktivitätssog enden, der meine Depotstruktur durcheinanderwirbelt und ich dieses Chaos möglicherweise später bereuen könnte. Spätestens dann bereuen könnte, wenn laut Statistiken nach 16 Monaten (mehr oder weniger) die Kurse langsam wieder steigen und ich wegen einer Panik- und Kurzschlussreaktion nicht mehr dabei bin.

Der Börse habe ich dann den Rücken gekehrt, weil sie mir lediglich Verluste eingebracht hat.

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Was ist eine Korrektur?

Von einer Korrektur spricht man, wenn die Kurse nach einer länger anhaltenden Auf- oder Abwärtsbewegung plötzlich (üblicherweise für eine kurze Zeitspanne) in die entgegengesetzte Richtung laufen.

Korrekturen von 13 bis 20 Prozent sind nicht selten.

Warum kommt es an der Börse (häufig nach starken Kursbewegungen) zu einer Korrektur?

Ein Grund ist häufig: Die Marktteilnehmer (Privatanleger, Börsianer etc.) nehmen Gewinne mit. Oder steigen bei einer abwärts-trendigen Korrektur ein. Oder kaufen Wertpapiere nach.

Ein Grund ist auch: Die Marktteilnehmer haben Angst vor einer Krise und möchten Gewinne sichern. Das somit entzogene Kapital löst einen „Preisverfall“ an der Börse oder einzelnen Wertpapieren aus.

Manchmal hört man während einer aufwärts-trendigen Börsenkorrektur Aussagen wie:

  • „Anleger fliehen aus dem DAX.“
  • „DAX stürzt weiter ab.“
  • „Anleger nehmen Gewinne mit und lassen die Börse beben.“

Kurze Zeit später, nach der aufwärts-trendigen Börsenkorrektur, hört man Folgendes:

  • „Börsianer gewinnen wieder das Vertrauen in die Börse.“
  • „Clevere Anleger steigen jetzt ein.“
  • „Der befürchtete Crash ist in Euphorie verdampft.“

Und so weiter und so fort.

So wiederholt es sich in Grundzügen mehrere Male das ganze Jahr über.

Der Druck zu handeln ist stets da.

Zwischen Korrektur und einer Krise mischt die Konsolidierung mit

Korrektur: Wie oben im Umschalter „Was ist eine Korrektur?“ beschrieben, kurzfristige Kursbewegung in die entgegengesetzte Richtung (nach unten sowie nach oben).

Konsolidierung: Wie Korrektur, dauert lediglich ein wenig länger.