Nach etlichen geschriebenen Blogartikeln, eBooks und Büchern über Geld und Finanzen, habe ich mich in Faustregeln verknallt.

Faustregeln basieren auf Erfahrungen und sind immer so einfach, dass sie sich rasch im Kopf und mit Hilfe von Daumen und Zeigefinger ausrechnen lassen.

Das Ergebnis steht schnell fest.
Und für gewöhnlich ist es ziemlich treffsicher.

Zum Beispiel hier: Wie viel Miete kann ich mir leisten? (zwei Faustregeln)

In der Tat sind die meisten Faustregeln für Geld und Finanzen ziemlich nützlich.

Hier sind 10 meiner Favoriten:

1. Die Vermögensformel – Bin ich auf dem richtigen Weg?

Laut den Autoren von Millionaire Next Door: The Surprising Secrets of America’s Wealthy (*) lässt sich mit dieser Faustregel bestimmen, wie viel Nettovermögen Sie entsprechend ihres Alters und ihres Bruttoeinkommens angespart haben sollten.

Teilen Sie Ihr Alter durch 10.
Dann multiplizieren Sie das Ergebnis mit Ihrem jährlichen Bruttoeinkommen.

Die Rechnung: 45 Jahre / 10 x 60.000 Euro Bruttogehalt = 270.000 Euro Nettovermögen.

Wenn Sie 55 Jahre alt sind und 60.000 Euro brutto im Jahr verdienen, sollte Ihr Nettovermögen nach dieser Formel nicht weniger als 330.000 Euro betragen.

Beispiele mit verschiedenen Lebensjahren und Brutto-Jahresgehältern:

20 Jahre / 10 x 20.000 Euro Bruttogehalt = 40.000 Euro Nettovermögen
30 Jahre / 10 x 30.000 Euro Brottogehalt = 90.000 Euro Nettovermögen
40 Jahre / 10 x 40.000 Euro Brottogehalt = 160.000 Euro Nettovermögen
50 Jahre / 10 x 50.000 Euro Brottogehalt = 250.000 Euro Nettovermögen
60 Jahre / 10 x 60.000 Euro Brottogehalt = 360.000 Euro Nettovermögen

2. Die Eigenheimformel – Wie viel Geld sollte ich für die Instandhaltung zurücklegen?

Diese Faustformel besagt, dass Eigentümer jedes Jahr ein Prozent des aktuellen Immobilienwertes auf einem separaten Konto für Reparatur und Wartung zurücklegen sollten.

Die Rechnung: Immobilienwert 250.000 Euro / 1 Prozent = 2.500 Euro Rücklagen für Reparatur und Wartung.

3. Die Kinderunterhaltsformel – Was kostet es, ein Kind großzuziehen?

Als Faustregel gilt: 10.000 Euro pro Kind / pro Jahr.

Das sind in etwa 250.000 Euro pro Kind, bis es auf seinen eigenen Beinen stehen kann (25 Jahre).

4. Die Autoformel – Was kostet das Auto wirklich?

Um die ungefähren monatlichen Betriebskosten eines Autos innerhalb der ersten 5 Jahre zu schätzen, kann der Kaufpreis durch 30 geteilt werden.

Rechnung: Kaufpreis 45.000 Euro / 30 = 1.500 Euro an Ausgaben pro Monat.

Beispiele mit verschiedenen Kaufpreisen:

Kaufpreis 5.000 Euro / 30 = 166,67 Euro monatliche Betriebskosten
Kaufpreis 10.000 Euro / 30 = 333,33 Euro monatliche Betriebskosten
Kaufpreis 20.000 Euro / 30 = 666,67 Euro monatliche Betriebskosten
Kaufpreis 40.000 Euro / 30 = 1333,33 Euro monatliche Betriebskosten
Kaufpreis 60.000 Euro / 30 = 2000,00 Euro monatliche Betriebskosten
Kaufpreis 80.000 Euro / 30 = 2666,67 Euro monatliche Betriebskosten

5. Die Anschaffungsformel – Reparieren oder neu kaufen?

Fernseher, Waschmaschine oder Kühlschrank defekt?

Kaufen Sie ein neues Gerät, wenn es mehr als 8 Jahre auf dem Buckel hat.

Kaufen Sie auch dann ein neues Gerät, falls die Reparatur mehr als die Hälfte dessen verschlingt, was ein neues Gerät kostet.

6. Die Wohnformel – Kaufen oder mieten?

Suchen zwei gleichwertige Immobilien an einem Standort.

Wie viel kostet die Immobilie an diesem Standort?
Wie hoch ist die Miete für eine gleichwertige Immobilie an diesem Standort?

Teilen Sie den Verkaufspreis der einen Immobilie durch die Jahresmiete der anderen Immobilie.

Angenommen, Sie finden eine Wohnung für 200.000 Euro und eine ähnliche Wohnung zur Miete für 1.000 Euro pro Monat nur einen Kilometer weiter östlich.

Das sind 12.000 Euro pro Jahr an Mietzahlungen.

Wenn Sie 200.000 Euro durch 12.000 Euro teilen, erhalten Sie ein Kauf-Miet-Verhältnis von 16,7.

Man müsste 16,7 Jahre 9.600 Euro Kaltmiete zahlen, bis der Kaufpreis für diese Wohnung erreicht ist.

Wenn das Kauf-Miet-Verhältnis niedrig ist, ist es besser zu kaufen.
Wenn das Kauf-Miet-Verhältnis hoch ist, ist es wahrscheinlich besser zu mieten.

Die Querung von kaufen oder mieten liegt irgendwo bei 15.

7. Die 72er-Regel – Wann verdoppelt sich mein Kapital?

Die 72er-Regel kann ziemlich genau die Frage beantworten, wann sich das eingesetzte Kapital zu einem bestimmten festen Zinssatz angelegt, exponentiell (immer schneller) rein durch Zins und Zinseszins verdoppelt.

Also wann aus 10.000 Euro mit Zins und Zinseszins 20.000 Euro werden.

Um herauszufinden, wie lange es dauert bis aus 10.000 Euro angelegt zu 8 Prozent Zinsen 20.000 Euro werden, teilt man 72 durch 8.

Als Ergebnis bekommt man: 9 Jahre

Beispiele mit verschiedenen Prozentsätzen:

72 / 6 Prozent = 12 Jahre
72 / 4 Prozent = 18 Jahre
72 / 2 Prozent = 36 Jahre
72 / 1 Prozent = 72 Jahre
72 / 0,5 Prozent = 144 Jahre

8. Die Glücksformel – Was tun mit dem großen Geldgewinn?

Wenn Sie im Lotto gewonnen haben oder sonst irgendwie an eine große Summe Geld gekommen sind, nehmen Sie lediglich ein Prozent davon, um sich JETZT etwas zu gönnen.

Wenn Sie 50.000 Euro gewonnen haben, geben Sie höchstens 500 Euro aus.

Bunkern Sie den Rest an einem sicheren Ort (zum Beispiel Tagesgeldkonto) und ignorieren Sie es mindestens 6 Monate lang.

Nachdem etwas Zeit verstrichen ist und Sie die Gelegenheit hatten darüber nachzudenken, was Sie mit dem Geld anstellen wollen, können Sie handeln.

9. Die 10-Prozent-Formel – Wie viel soll ich sparen?

Als Faustregel gilt: Sparen Sie mindestens 10 Prozent Ihres Einkommens.

Ich denke, besser ist es, 20 Prozent oder mehr anzustreben.

10. Die Notfallfondsformel – Wie hoch sollte mein Notfallfonds sein?

Eine genaue Angabe gibt es nicht.

Etliche Experten empfehlen 3 – 6 Nettomonatsgehälter.

Eine Faustregel besagt: Der Notfallfonds sollte X Monate lang Ihre Ausgaben decken. Wobei das X für die aktuelle Arbeitslosenquote steht.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland liegt derzeit bei 3,4 Prozent.

Der Notfallfonds sollte also 3,4 Monate all ihre Ausgaben decken können.

Weitere nützliche Finanzhinweise

Soll ich das kaufen?

Wenn Sie nicht bereit sind für etwas bar zu bezahlen.

Dann macht es keinen Sinn, dieses Etwas auf Kredit zu kaufen.

Sparen für die Rente?

Fassen Sie niemals Ihr Sparguthaben oder das Depot an, welches Sie für den Ruhestand angelegt haben – außer im Ruhestand selbst.

Zu hohe Zinsen?

Bezahlen Sie für Dinge, die an Wert verlieren, keine Zinsen.

Es ist okay, ein Haus, ein Studium oder eine Ausbildung zu finanzieren.

Vermeiden Sie es jedoch, Zinsen für ein Auto, Zinsen für Unterhaltungselektronik oder Zinsen für Möbel über einen Kredit zu zahlen.

Das Finanzamt betrügen?

Steueroptimierung ist ok.

Steuerbetrug ist knifflig.

Einmal drin, immer drin!

Faustregeln für Geld und Finanzen sind nicht in Stein gemeißelt.

Sie sind nützlich, um eine rasche Beurteilung vornehmen zu können.

Jetzt sind Sie an der Reihe.

Welche Faustregeln gefallen ihnen?
Welche Faustregeln habe ich vergessen?
Und welche Finanzregeln für Geld und Finanzen wenden Sie persönlich an?